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Tipps 2011: Sachliteratur, Briefe Biografien
Geschichten aus Stuttgart Irene Ferchl (Hg.)
Stuttgart ist eine Stadt, die polarisiert – seit jeher und bis heute. Die einen preisen die herrliche Lage mit Weinbergen an den Hängen, den Gärten und Parks, andere schimpfen auf das unerträgliche Klima im Kessel; Lob auf die Weltoffenheit wechselt mit Spott über die angebliche Borniertheit oder mangelnde Geselligkeit der Stuttgarter. Einheimische, Zugezogene und Durchgereiste, Lokalpatrioten und Nestflüchter kommen in dieser Sammlung zu Wort, vor allem sind es Dichter und Schriftsteller aus den letzten Jahrhunderten bis heute, von denen mehr als meistens angenommen in und über Stuttgart geschrieben haben. Klöpfer & Meyer, 352 Seiten, 22 Euro. Erschienen im September 2011. Zur Rezension
Hölderlin. Eine Winterreise Thomas Knubben
Anfang Dezember 1801 machte sich Friedrich Hölderlin von Nürtingen auf nach Bordeaux. Ihn trieb “die Herzens- und die Nahrungsnot”. In Frankreich hoffte er endlich die Existenz aufbauen zu können, die ihm zu Hause versagt geblieben war. Die Winterreise sollte zum Wendepunkt in seinem Leben und Schreiben werden: Das Vorhaben lässt sich gut an, doch schon nach wenigen Wochen lässt er sich wieder einen Pass ausstellen und kehrt zurück. Sein Zustand ist trostlos. Die Freunde erkennen ihn schier nicht wieder. Was bloß war geschehen? Zweihundert Jahre später folgt Thomas Knubben der Route Hölderlins. Klöpfer & Meyer, 250 Seiten, 19,90 Euro. Erschienen im August 2011. Zur Rezension.
Gehirn und Gedicht Raoul Schrott, Arthur Jacobs
Warum können wir uns beim Lesen so in ein Buch vertiefen, dass wir die Welt um uns vergessen? Warum gehen uns Reime ein Leben lang durch den Kopf, und warum schlagen Metaphern manchmal ein wie der Blitz? Raoul Schrott hat auf der Suche nach dem Geheimnis des Gedichts die neuesten Spuren der Biologie und Wissenschaft aufgenommen. Zusammen mit Arthur Jacobs zeigt er, wie sich in elementaren literarischen Stilmitteln neuronale Prozesse erkennen lassen. Anhand vieler Beispiele aus unterschiedlichsten Epochen führt er uns vor, wie wir denken, warum wir es so tun, wie wir es tun, und wie daraus Dichtung entsteht. Hanser, 528 Seiten, 29,90 Euro. Erschienen im März 2011.
Der Stuttgarter Bauzaun Sybille und Ulrich Weitz (Hrsg.)
Die Bürgerproteste um Stuttgart 21 haben das politische Klima in Deutschland tiefgreifend verändert. Montagsdemonstrationen, das Zeltdorf im Schlossgarten, die Schlichtungsgespräche und der durch die Demonstranten zur politischen Kunstinstallation umfunktionierte Bauzaun am Hauptbahnhof sind sichtbare Ausdrucksformen dieses Protestes. Vor allem das dekorierte Gatter vor dem mittlerweile abgebrochenen Nordflügel des Bahnhofs wurde zum Sinnbild der friedlichen und kreativen Bürgerbewegung gegen das Milliardenprojekt. Die Fotografinnen Ulrike Herrmann und Heinke Brantsch fotografierten den Bauzaun. Ergänzt wurden die Bilder durch zahlreiche Kommentare namhafter Autoren. Silberburg, 96 Seiten, 15 Euro. Erschienen im Januar 2011.
Die Unentwegten Miriam Eberhard
Pauline und Friedrich Thiel, die Großeltern der Autorin, heirateten obwohl die Liaison der umworbenen Kaufmannstochter mit dem technisch genialen, aber unvermögenden Autorennfahrer Paulines wohlhabenden und standesbewußten in Laupheim lebenden Eltern nicht gefiel. Die ersten Ehejahre waren sehr belastend, denn während der Wirtschaftskrise wurde fast der gesamte Familienbesitz zwangsversteigert und so musste sich die wachsende Großfamilie - im Laufe der Zeit bekam das Paar 14 Kinder - mehr schlecht als recht durchschlagen. Aus den Erzählungen der Kinder des Paares, also ihren Onkeln und Tanten, hat die Autorin Miriam Eberhard ein Buch über Lebenslust, Lebensmut und Zivilcourage geschrieben. Klöpfer & Meyer, 384 Seiten, 24,50 Euro. Erschienen im September 2010.
Die Taschenspieler Josef-Otto Freudenreich (Hg.)
Josef-Otto Freudenreich und seine Mitautoren leisten Aufklärung über die Machenschaften der Mächtigen im Verborgenen, die Winkelzüge von korrumpierten Politikern, gierigen Unternehmen und mitspielenden Staatsbeamten, die damit direkt ins Leben der Bürger eingreifen, ohne dass diese erfahren, wessen wirkliche Interessen dahinter stecken. Das aber ist für eine Demokratie konstitutiv. Wer an ihr mitwirken will, muss wissen, was sie im Innersten zusammenhält und der Bürger muss wissen, wem er vertrauen kann. Nach der Lektüre dieses Buches sollte er’s geklärt haben: seinem eigenen Urteil, das die Autoren schärfen wollen. Klöpfer & Meyer, 288 Seiten, 19,90 Euro. Erschienen im September 2010.
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