Süden und das Lächeln...
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Friedrich Anis Kriminalroman Süden und das Lächeln des Windes

Anis Mann für Vermissungen

 

Zur Entspannung einen Krimi zu lesen ist eine herrliche Sache. Ritzel, Mankell, Haas und Nesser können ihren Lesern auf wunderbare Weise die Zeit vertrieben, oft aber auch nachdenklich machen. Das gelingt auch den Tabor-Süden-Krimis von Friedrich Ani, zum Beispiel Süden und das Lächeln des Windes, krimipreisgekrönt und mit knapp zweihundert Seiten recht schlank. Nachdenklich macht dieses Buch nicht nur während des Lesens, sondern vor allem auch noch hinterher.

Ani, geboren 1959 in Kochel am See, heute in München lebend, arbeitete einige Jahre als Polizeireporter bevor er Schriftsteller wurde, und vielleicht machte er hier die Erfahrung, dass der unspektakuläre und dennoch oft sehr traurige Teil der Polizeiarbeit Stoff für einen feinen Krimi bieten kann. Neben den Süden-Krimis, insgesamt erschienen vierzehn, schrieb er weitere Krimireihen aber auch Lyrik und Drehbücher fürs Fernsehen, etwa für den Tatort und Rosa Roth. Einige Tabor-Süden-Romane wurden mit Ulrich Noethen verfilmt, wegen mangelnder Quoten jedoch nicht fortgeführt.

In Süden und das Lächeln des Windes, erschienen 2003, bekommt der Kommissar in der Vermisstenstelle des Münchner Dezernats 11 einen Anruf von Susanne Berghoff, Mutter des neunjährigen Timo. Als sich endlich herausstellt, dass Timo verschwunden ist, sind zwei Anrufe und ziemlich viel Zeit vergangen. Das Problem kann die Mutter jedoch nicht dazu bewegen das Kommissariat aufzusuchen, denn das kleine Hotel, das sie betreibt, braucht ihre ganze Zuwendung und so macht sich Süden, gemeinsam mit Martin Heuer - Kollege und zudem Freund seit Kindertagen - auf den Weg, um ihr nach und nach Einzelheiten zu entwinden. Das Ergebnis führt ihn zu Timos Freund und von diesem zu Sara Tiller, die angeblich ebenfalls mit Timo befreundet sein soll. Das allerdings bestreitet Saras Mutter und von Sara erfährt Süden gar nichts, denn als er kommt, liegt sie bereits mit ihrer Mutter im Streit und geht kurz darauf weg, ohne was zu sagen und ohne wieder aufzutauchen. Was folgt sind gegenseitige Schuldzuweisungen. Stiftet nun Timo Sara Tiller immer wieder zu verschiedensten Dingen an, wie Saras Mutter behauptet? Ist Susanne Berghoffs Schwester Carola, bei der die Kinder häufiger sind, schuld an deren Verschwinden?  Und warum muss Timos Vater, ein Computerfachmann, erst gezwungen werden von der Arbeitssuche in Norddeutschland zurück nach München zu kommen? Dann ist da noch Saras Vater, Vollzugsbeamte in der JVA, der Süden und Heuer einen Täter präsentieren will.

Mit diesem Buch über den langhaarigen und übergewichtigen Süden, der als Kind selbst einmal von Zuhause weggelaufen war, unterläuft Friedrich Ani die Erwartungen an einen Krimi gewaltig. So wie man jedoch den Wert mancher Menschen, mit denen man zunächst gar nicht warm werden kann, erst im Lauf der Zeit schätzen lernt, ist es auch mit diesem Krimi. Er sorgt noch lange über sein Ende hinaus für Nachdenklichkeit. Das macht den eigentlichen Wert dieses Buches aus, dessen Held Tabor Süden mit zwei schwarzen Lederhosen, seitlich geschnürt, und einem Satz weißer Baumwollhemden über die Runden kommt.

7. Dezember 2009

 

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