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Das Literaturportal für die Region Ulm/Neu-Ulm

Hallo Herr Neugebauer, was lesen Sie denn gerade so?

Ich lese garade "Das Todesjahr des Ricardo Reis" von Jose Saramago. Der Roman erschien 1984, der Autor erhielt 1998 den Nobelpreis für Literatur. Ricardo Reis ist eines der Heteronyme von Fernando Pessoa, eine jener erfundenen Figuren also, als die Pessoa dann auf eine ganz bestimmte Art Gedichte schrieb. Pessoa stattete Reis, ebenso wie andere Heteronyme, mit einer veritablen Biografie aus. So soll Reis, der hauptsächlich Oden im klassizistischen Stil verfasste, als junger Arzt nach Brasilien ausgewandert sein. Saramago nun läßt Reis im Jahre 1935, kurz nach Pessoas Tod, nach Lissabon zurückkehren, dort wohnt er zunächst in einem Hotel, es ist Winter, ständig schlecht Wetter. Reis, ein alleinstehender Mann Mitte Vierzig, hat noch keinen Plan, was sein weiteres Leben betrifft. Fast gleichzeitig macht er die nähere Bekanntschaft zweier sehr unterschiedlicher Frauen: Die eine ist Lidia, ein Zimmermädchen aus dem Hotel. Die andere, Marcenda, ist die gerade erwachsene Tochter eines Notars, die in Coimbra wohnt und nur alle paar Wochen nach Lissabon kommt, um dort Heilung für ihren gelähmten linken Arm zu suchen. Und eine weitere Person stattet Reis regelmäßig Besuche ab: Ein stets schwarz gekleideter Mann, der sich selbst im Spiegel nicht sehen kann - Fernando Pessoa, der, wie er Reis erzählt, wie jeder Tote nach seinem Ableben noch neun Monate Zeit hat, sich an das Totsein zu gewöhnen.

Mir gefällt besonders Saramagos Sprache, sein Tonfall, die langen, nur durch Kommata gegliederten Sätze, in denen wörtliche Rede und Erzählerbericht oft ineinander übergehen. Und man will immer wissen, wie's weitergeht. Reis verläßt schließlich das Hotel, bezieht eine eigene Wohnung und tut Dienst in einer Arztpraxis - als Vertreter eines Herzspezialisten. Noch habe ich hundert Seiten vor mir: Voraussichtlich wird Reis am Ende gestorben sein (siehe Titel des Buches), was aber wird er bis dahin noch erleben? Ich zögere, rasch weiterzulesen, möchte mich von dem Erzählrhythmus noch länger tragen lassen, der etwas wunderbar Fließendes hat, und doch voller Überraschungen steckt. Wird die Vorladung Reis' durch die Staatsschutzpolizei noch ein Nachspiel haben? Nur widerstrebend hatte er, als Rückkehrer aus Brasilien offenbar politisch verdächtig, dieser Folge geleistet. Nicht zu vergessen: Die Handlung des Romans spielt in der Zeit der Diktatur Salazars, im benachbarten Spanien steht der Ausbruch des Bürgerkriegs unmittelbar bevor...

Jörg Neugebauer, Autor, zweite Hälfte des Duos Wortkunstlauf (was die andere Hälfte so liest, steht weiter unten) und begeisterter Literaturvermittler in seiner Sendung Klassisch modern und im Literatursalon in der Kunstzone. 

8. August 2011

 

 

Hallo Frau Lauscher, was lesen Sie denn gerade so?

Es fiel mir schon immer schwer, nur ein Buch zu lesen. Seitdem ich Bücher rezensiere, ist das noch schwieriger geworden. Es liegen eigentlich immer mehrere Bücher an verschiedenen Orten im Haus.

Auf meinem Schreibtisch steht „Der deutsche Lyrikkalender 2010“ aus dem Alhambra Publishing Verlag. Jeden Tag wartet ein anderes Gedicht darauf, gelesen zu werden. Mir gefällt dabei die gelungene und abwechslungsreiche Mischung zwischen klassischen Lyrikern wie Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke oder Goethe und heutigen bekannteren, sowie unbekannteren Autoren. Der Kalender schafft einen kurzen Ort der Ruhe, der Besinnung. Ich freue mich sehr, dass in diesem Jahr auch ein Gedicht von mir darin veröffentlicht ist.

Durch Zufall bin ich auf das Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick gestoßen. Vor ein paar Jahrzehnten war dies wohl eine Art Kultbuch, sagte mir die Kollegin, die es mir gab. Ich kannte das Buch vorher nicht, finde es aber intelligent und humorvoll. Die kurzen und oft auch philosophischen Alltags-Betrachtungen über selbsterfüllende Prophezeiungen, das Glück oder Nächstenliebe lesen sich gut und regen zum Nachdenken an.

Ein harter Tobak ist das Sachbuch „Kindesmissbrauch – erkennen, helfen, vorbeugen“ aus dem Beltz Verlag. Es ist vom Deutschen Kinderschutzbund e.V. herausgegeben worden und ein sehr wichtiges Buch wie ich finde. Was mich sehr erstaunt und als Mutter eines Sohnes auch sehr bewegt hat, ist die dort benannte Untersuchung, dass etwa 20-25 % der Vergewaltigungen und 30-40% der sexuellen Missbrauchshandlungen durch Kinder bzw. Jugendliche bzw. Heranwachsende begangen werden. Das hat mich so sehr beschäftigt, dass ich mit einem Jugendroman zu diesem Thema begonnen habe. Nicht gerade ein kleines Vorhaben, aber es erscheint mir wichtig genug, um es zu versuchen.

Und dann liegen im Moment überall Kochbücher herum. Suppen, Saucen, Salate, Fondues und Grundkochbücher. Seit einem Monat lese ich täglich in Rezepten, die aus heutiger Sicht meist etwas schwer anmuten, da sie viel Ei und Mayonnaise enthalten. Das hat einen Grund – denn ich schreibe gerade an dem Projekt „Unser Kochbuch der 70er Jahre“. Wenn jemand noch ein Rezept aus dieser Zeit hat... Es macht mir sehr viel Spaß, alles zusammen zu tragen und in persönlichen Erinnerungen zu wühlen. Allerdings muss meine Familie jetzt Eiersalat, Königsberger Klöpse mit Kapern und Krabbencocktail essen. Ach ja, heute Abend gibt es noch den Hackbraten gefüllt mit hartgekochten Eiern...

Elvira Lauscher, Schriftstellerin und Journalistin, eine Hälfte des literarischen Duos Wortkunstlauf, Ulm.

12. Januar 2010

 

 

 

Hallo Herr Koch, was lesen Sie denn gerade so?

Ich habe gerade gelesen “Künstliche Kreaturen” des aus Ulm stammenden und in Basel lebenden Autors Oliver Bendel (unbedingt mal angucken, sehr innovativer Autor mit Handy-Romanen). Derzeit bin ich mitten in “Die Vermessung der Welt” (nachdem ich gerade “Eine kurze Geschichte von fast allem” gelesen hatte). Das nächste Buch wird sein “Der zweite Code” und schon länger wartet “Der Turm”.

Heinz Koch, AuGusTheater, Neu-Ulm
(Hinweis: Von Oliver Bendel erschien im Juli der Roman Verlorene Schwestern)

4. November 2009

 

 

Hallo Herr Buhles, was lesen Sie denn gerade so?

In letzter Zeit hatte ich Herfried Münkler: “Die Deutschen und ihre Mythen” (Rowohlt Berlin) gelesen. Das ist ein hervorragend geschriebenes Sachbuch, auch für Nicht-Politologen und Nicht-Historiker gut lesbar und insgesamt hochinteressant. Münkler hat im vorigen Herbst ja auch in Leipzig einen Preis dafür bekommen.
 

Gerade fertig bin ich mit Urs Widmer: “Der Geliebte der Mutter”, einer Art Novelle, schon im Jahr 2000 erschienen. Dieses kleine Buch ist ein bisschen skurril und insgesamt witzig. Ich habe den Eindruck, dass es ein heimliches Porträt des verstorbenen Basler Mäzen und Dirigenten Paul Sacher ist, was ich vorher nicht wusste. Doch schon in den ersten Sätzen geht es um einen Dirigenten, der mit einer Mozart-Partitur in den Hand tot umfällt.
 

Ich muss gestehen, dass ich kein großer Belletristik-Leser bin. Der Großteil meiner Lektüre besteht aus Musikfachbüchern. Aber ich habe zwei Büchlein - keine Riesen-Wälzer also - vor mir für die nächste Zeit, und zwar Hartmut Lange: “Das Konzert” (es geht wohl um den Auftritt eines schon dahingeschiedenen Pianisten, auch hier ein Toter!) und Christian Gailly: “Ein Abend im Club” (ist mir empfohlen worden, es geht um einen Jazzmusiker). Wie Sie merken, sind dies eigentlich auch Musik-(fach-)bücher.
Aber einen Roman, den ich im Frühjahr 2008 gelesen habe, möchte ich noch wärmestens empfehlen: John Updike: “Terrorist”.

Günter Buhles, Journalist und Komponist, Ulm.


2. November, 2009

 

 

Hallo Frau Netter, was lesen Sie denn gerade so?

Mein Nachtkästchen zieren zur Zeit drei Bücher:

Erstens: "Liebe - ein unordentliches Gefühl" von Richard David Precht.

Der Philosoh und Spiegel-Bestseller-Autor Precht hat bei uns im Vöhringer Kulturzentrum im Juni eine Lesung gehalten, die ungeheuerlich spanndend, fesselnd und faszinierend war, so dass ich das Buch, das ich vor der Lesung nur überflogen hatte, nunmehr ganz genau und gründlich lesen möchte. Prechts wissenschaftlich fundierte Gedanken widerlegen den derzeit üblichen "Kladderadatsch" wie z.B. "Frauen können nicht einparken, Männer nicht zuhören", "Frauen sind Sammler, Männer Jäger", und sind spektakulär. Sie wollen von mir genau nachvollzogen werden. "Liebe - ein unordentliches Gefühl" ist allerdings keine Lektüre, die man so in einem Rutsch in sich reinschmökert, sondern man nimmt sich immer wieder ein Kapitel vor. Richard D. Precht zuzuhören war weitaus leichter als die Lektüre selbst. Trotzdem ist sie jedermann(frau), der den attraktiven Autor nicht live erleben kann, zu empfehlen.

Zweitens: "Morgengabe" von Eva Ibbotson.

Dieses Buch hat mir eine Freundin als leicht bekömmliche Urlaubslektüre mitgegeben. Ich komme aber erst jetzt - nach meinem Urlaub - dazu es zu lesen. Es handelt von Juden in Wien und England zu Beginn des 2. Weltkrieges und ist bisher sehr flüssig zu lesen, klug, spannend, man will es gar nicht mehr aus der Hand legen.

Drittens: "Immer ist was" - 33 rein zufällige Geschichten des Ulmer Autors Stefan Löffler.

Dieses Buch ist aus dienstlichen Gründen auf meinem Schreibtisch gelandet und wird - wie alles, was Lesezeit beansprucht - mit nach Haue genommen. Die erste Kurzgeschichte daraus war sehr vielversprechend und wenn selbst Konstantin Wecker seinen Gefallen an den Storys gefunden
hat, lohnt es sich auf jeden Fall weiterzulesen.

Anette Netter, Wolfgang-Eychmüller-Haus, Vöhringen.     

 3. September 2009

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